1er-BMW-Fahrer klagt wegen Getriebegeräuschen – und gewinnt!


Getriebegeräusche im 1er BMW

Der Eigentümer eines 1er BMWs hatte vor dem Landgericht Ellwangen auf Rückgabe seines Pkws an die BMW AG geklagt. Der Kläger hatte nach dem Kauf des gebrauchen 1er BMW (Baujahr 2012) festgestellt, dass das 8-Gang-Autmatikgetriebe, Hersteller ZF, bei Vorwärtsfahrt insbesondere im 4. Gang im Geschwindigkeitsbereich von 40-60 km/h und verstärkt wahrnehmbar im Rückwärtsgang erhebliche Pfeifgeräusche macht.

BMW verweigert Nachbesserung und Rücknahme

Die BMW AG hatte außergerichtlich die Nachbesserung endgültig verweigert, jedoch mitgeteilt, dass die Pfeifgeräusche keinen Getriebeausfall zur Folge haben könnten. Offenbar war der BMW AG das Problem bekannt. Der Kläger verlangte daraufhin die Rückabwicklung des Kaufs. Dies verweigerte der Verkäufer. Nach erhobener Klage beauftragte das Landgericht Ellwangen einen Sachverständigen mit der Untersuchung der behaupteten Geräusche. Die gerichtliche Einlassung von BMW, dass es sich bei dem Geräusch um eine „Komforteinbuße“ handele, teilte das Gericht nicht. Denn „Komforteinbußen“ gibt es rechtlich nicht. Entweder liegt ein Mangel vor oder nicht.

Pfeifgeräusche im Vorwärts- und Rückwärtsgang

Der Sachverständige stellte während der durchgeführten Probefahrt einen signifikanten, turbinenartigen Pfeif- bzw. Heulton insbesondere beim moderaten Beschleunigen im Geschwindigkeitsbereich 40-60 km/h und Motordrehzahlen von 1.000 – 2.000 U/min akustisch deutlich wahrnehmbar fest. Beim Auftreten des Geräusches befand sich das 8-Gang-Automatikgetriebe in der 4. Gangstufe. Noch deutlicher als bei Vorwärtsfahrt sei der auffällige Pfeif- bzw. Heulton während Rückwärtsfahrten wahrzunehmen. Das Geräusch wurde als lästiges Geräusch beschrieben, da es sich aufgrund seiner relativ hohen Frequenz von sämtlichen anderen Fahrzeuggeräuschen abhob.

Erhebliche Komforteinbuße laut Sachverständigem

Aus Sachverständigensicht lag keine „mindere Komforteinbuße“, sondern eine deutliche Komforteinbuße vor, die auch auf einen Mangel am Getriebe hinweist. Die festgestellte Geräuschentwicklung am klägerischen Fahrzeug sei unüblich und tritt bei gleichartigen Fahrzeugen gleichen Alters und gleicher Laufleistung falls überhaupt, dann nur bei vereinzelten Fahrzeugen auf. Dies habe der Sachverständige sowohl durch lnternetrecherchen, als auch Recherchen über zwei größere BMW-Autohäuser ermittelt. Eindeutig weiche die festgestellte, ungewöhnliche Geräuschentwicklung des klägerischen Fahrzeuges negativ von der Beschaffenheit gleichartiger Fahrzeuge des Herstellers BMW ab.

Verdacht eines Mangels

Die Ausführungen des Sachverständigen waren eindeutig. Das unübliche Pfeif- bzw. Heulgeräusch aus dem Getriebe des Fahrzeuges lege den Verdacht auf einen Mangel am Getriebe nahe, so der Sachverständige. Daraufhin nahm die BMW AG den 1er BMW zurück und bezahlte die gesamten Kosten des Gerichtsverfahrens. Alles andere wäre für einen Premium-Hersteller unwürdig gewesen.

1er-BMW-Fahrer verklagt BMW AG erfolgreich wegen Getriebegeräuschen
5 (100%) 4 votes